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171108

Hallo Barbara, hallo Reza, hallo Anna,
zur Diskussion über Rassissmus kann ich heute leider nicht kommen,
ich fände es interessant und wichtig und hätte auch einiges dazu zu sagen:

Abs2)
Ich finde, daß in einigen Eurer Schriften aber auch sonst in der Linken die Worte
"Rassismus", "Rassisten" derzeit zu ungenau und damit inflationär verwendet werden.
Die zunehmend wahrnehmbare Ablehnung gegenüber Flü u ZuwanderInnen beruht
m.E zu einem geringeren Teil auf Rassismus, sondern begründet s eher kulturell sowie
nationalistisch (teils in weiterem, EU bezogenem Sinne),
sowie auch ökonomisch
(klar, Irrtum), darüber hinaus durch Terrorangst.
Im Vordergrund steht glaub ich der kulturelle Aspekt, zu dem ich hier auch
Religion zähle, sowie sprachliche und sonstige Verständigungsschwierigkeiten.
Der Begriff Xenophobie wäre oft vielleicht richtiger, aber insofern unangemessen,
als damit eine zu diskutierende Verunsicherung als deppert hingestellt und damit
weitere Verständigung erschwert
wird.
Der Begriff Rassismus ist durch Holocaust, US-Sklaverei, Apartheit, etc extrem negativ besetzt.
Ich finde es nicht richtig, irgend welche einfachen Leute, die sich von den sozialen Veränderungen
überfordert fühlen, die um die Stabilität ihres Lebensumfeldes fürchten, mit dem ganzen
moralischen Gewicht, das daher dieser Begriff hat, zu beschuldigen.
Dies muß Abwehrreaktionen hervorrufen. Ich finde es richtig, warnend darauf aufmerksam zu machen,
wenn der Eindruck entsteht, Aversion könnte in so eine Richtung undifferenziert pauschalisiert werden.

Manche werden auch zu recht darauf hinweisen, daß viele jener Flüchtlinge u MigrantInnen,
die sie hier nicht mögen, selbst eine Menge Nationalismus
u ähnliches mitbringen.
Die Frage ist, wer angesprochen wird. Da ist sicherlich ein Unterschied zu machen zwischen
z.B Pensionisten in Außenbezirken, jugendliche Horden mit Hang zu Neonazi"feschheit" oder
F-Politiker(Inne)n, die in solch eine Richtung Konflikte schüren, um sich zu profilieren.
Aber auch bei denen vermute ich, daß typischer Rassismus nicht das vorrangige Motiv ist.
Am ehesten vllt bei Neonazihorden.

Abs1)
Allgemeines zum Rassenbegriff:

Als sich in den letzten etwa 10.-100.000 Jahren die Menschen großräumig ausbreiteten,
und zwar fast ohne Transportmittel, entwickelten sie sich getrennt voneinander weiter,
ohne viel Austausch über größere Distanzen, wohl aber über kleinere Distanzen.
Dabei kam es
großräumig zu einigen genetischen Unterschieden, sowie zu regionalen
Ähnlichkeiten.
Die großräumigen Unterschiede können teilweise als Anpassungen an unterschiedliche
Umwelten verstanden werden (Sonnenschutz contra Vitamin-D-Versorgung), 
großteils können sie als beliebiges Auseinanderdriften gesehen werden.
Aus den regionalen Ähnlichkeiten und den großräumigen Unterschieden kann vage auf
das Ausmaß des Austausches geschlossen, bzw auf Zeitfaktoren zurückgeschlossen werden.
Erst als
seit einigen Jhdt ein rel reger, großräumiger Austausch dieser Bevölkerungen einsetzte,
fielen derartige Unterschiede im allgemeinen Bewußtsein auf, die Herkunft fremder Personen
konnte ihrem Aussehen nach signifikant zugeordnet werden, dieses Phänomen wurde mit dem
Begriff Rasse benannt.
Dieser Begriff ist vage, Grenzen fließend, und Begriffe wie rassische Untergruppen
kaum definierbar. Aber es sind mit signifikanter Wahrscheinlichkeit Skandinavier
von Mittelmeerbewohnern zu unterscheiden, und als ich in den letzten Tagen über
dieses Thema nachdachte, vermutete ich, 'demnach könnte J.F.Kennedy (teils) von Iren
abstammen' schaute nach und fand dies bestätigt. Allerdings stelle ich es mir schwer vor,
nach dem Aussehen Perser von Spaniern zu unterscheiden.

Bisheriges Fazit:
Die Menschen sind unterschiedlich, und das finde ich schön.
Und wenn es auch nicht gelingt, zu allen Menschen die gleiche Sympathie
zu empfinden, ist gegenseitiger Respekt doch immer geboten bzw für erfolgreiches
Zusammenleben notwendig, zwischen Einzelpersonen ebenso wie zwischen
großen Kollektiven.

Das Konfliktpotential rassischer Unterscheidung:
Wo Menschengruppen unterscheidbar sind, kommt es mit trauriger Regelmäßigkeit
zu Konflikten. Die altgriechischen Städte befanden sich immer wieder im Kriegszustand,
die First Americans gruben das Kriegsbeil aus hatten aber auch Friedenspfeifen,
Moguln eroberten Teile Indiens, Chinesen bauten die C.Mauer, führten Kriege mit Japan,
Hunnen lösten in Eu die Völkerwanderung aus, etc, etc, etc.

Je "primitiver" Kulturen waren, desto mehr basierte Krieg auf menschlichen Emotionen,   
je "zivilisierter" die Menschen wurden, desto mehr kam es zu annonymisierten Massenmorden.
Dabei ging es meist um territoriale und ökonomische Interessen, die Kälte bzw der Haß,
mit dem man einander bekämpfte, wurde aber, wo immer es sich anbot, an jedwelchen
Unterschieden zwischen "uns" und "den anderen" aufgehängt.
Der Kollonialismus basierte auf rassistischen Annahmen, daß die "Primitiven", die man
beraubt, kaum als Menschen zu betrachten seien. Um diese Annahme aufrecht zu erhalten,
wurden Kulturen gezielt zerstört, teils unter dem ideologischen Deckmantel der Missionierung.
In USA und Südafrika gab es schlimmste systematische Ausbeutung und Sklaverei,
wogegen sich die Schwarzen einigermaßen erfolgreich wehrten.
Es ist klar, daß eine solche Unterdrückung auf der Annahme beruht, die Unterdrückten
seien eh nix wert.
Es ist umgekehrt dann auch nicht verwunderlich, wenn die Wut Unterdrückter sich ebenfalls
an äußerliche Merkmale heftet.

Der Begriff der Rasse im NS
Die Europäer und die Juden sind sehr eng miteinander verwandt. Angesichts der Breite
innereuropäischer genetischer Unterschiede scheinen Völker des nahen Osten genetisch
von Europäern kaum zu unterscheiden.
Die Ausgrenzung der Juden in der europäischen Diaspora beruht m.E eindeutig auf einem
kulturell-religiösen Unterschied viel mehr als auf einem rassischen.
Der wesentlichste Aspekt dabei ist wohl der, daß sich ein Zweig jüdischer Religion
über Vermittlung des römischen Imperialismus, in Europa dominant ausgebreitet hatte.
Der daraus resultierende Konflikt führte zu einer verstärkten Abgrenzung gegeneinander
von beiden Seiten (Juden, Christen). Diese Isolation und Bedrängnis führte zu intensivierter
Tüchtigkeit sowie Zusammenhalt zwischen Juden.
Dies als Rassenunterschied darzustellen und an der Nasenform od dgl festmachen zu wollen,
halte ich für ein völlig abwegiges Unternehmen
seitens des NS-Regimes, bzw Überbau u Ablenkung:
Worum es ging war, daß sich Juden in hohen Positionen befanden und vernetzt waren,
was Hitlers Allmachtstreben hätte im Wege stehen können.
Was mir aber unerklärlich bleibt, ist die Totalität mit der die Judenvernichtung stattfand.
Denn Machtinteressen den Weg zu ebnen, hätte es wohl genügt, einige Wenige zu beseitigen.
Das läßt vermuten, daß die Akteure der Vernichtung wohl selbst an ihre Rassenideen glaubten,
aber die Absicht völliger Ausrottung bleibt mir jedenfalls ein unerklärliches Phänomen.
Darüber hinausgehende Spekulationen möchte ich jetzt nicht verbalisieren.

Das Schiksal jener Juden, die nach der Niederschlagung ihres Aufstandes gegen die
römische Besatzung um 300 nCh nach Osten geflohen waren, verlief übrigens
wesentlich friedlicher.

Besonders unsinnig fände ich übrigens eine etwaige Darstellung des israelisch-palestinensischen
Konflikts als rassistisch. Denn die Beiden unterscheiden sich
genetisch vor allem dadurch,
daß die israelischen Juden eine Menge Europa u Amerika dorthin mitgebracht haben.

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Über den Jazz möchte ich jetzt nicht schreiben, den spiel ich dann lieber,
obwohl ich "Weißer" bin.